Frau Blaser, was verstehen Sie in Ihrer Praxis unter Konfliktlösung im Rahmen der psychologischen Beratung?
Konfliktlösung ist für mich kein einmaliger Akt, sondern ein Prozess, der auf Verständnis und Kommunikation aufbaut. In der psychologischen Beratung geht es nicht darum, einen „Sieger“ oder „Verlierer“ zu ermitteln, sondern die tieferliegenden Bedürfnisse und Emotionen aller Beteiligten sichtbar zu machen. Oft stecken hinter einem Konflikt unausgesprochene Erwartungen, Ängste oder unterschiedliche Wertvorstellungen. Meine Aufgabe als Psychologin und Psychotherapeutin ist es, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem diese Aspekte benannt werden können, ohne dass die Situation eskaliert. Konfliktlösung bedeutet hier, gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln und Handlungsoptionen zu finden, die für alle tragfähig sind.
Welche typischen Konflikte bringen Klienten in Ihre Praxis für psychologische Beratung in Bern?
Die Bandbreite ist gross. Sehr häufig begegnen mir Paarkonflikte, bei denen es um unterschiedliche Kommunikationsstile, fehlende Wertschätzung oder ungleiche Verteilung von Verantwortung geht. Aber auch innerbetriebliche Konflikte, etwa zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden oder innerhalb von Teams, sind ein häufiges Thema. Viele Menschen kommen zudem mit inneren Konflikten zu mir – etwa dem Spannungsfeld zwischen beruflichen Anforderungen und persönlichen Bedürfnissen oder zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Angst vor Verletzlichkeit. In der psychologischen Beratung arbeiten wir dann daran, diese inneren Widersprüche zu verstehen und in Einklang zu bringen.
Wie unterscheidet sich Ihr Ansatz zur Konfliktlösung von einem klassischen Mediationsverfahren?
Die Mediation ist ein strukturiertes Verfahren, das oft von neutralen Dritten geführt wird und stark auf eine Einigung abzielt. In der psychologischen Beratung hingegen lege ich den Fokus auf die psychodynamischen Hintergründe. Es geht mir nicht nur um die Lösung des konkreten Streitpunkts, sondern darum, die emotionalen Muster zu erkennen, die den Konflikt immer wieder neu entfachen. Wenn jemand beispielsweise in Konflikten immer wieder in eine Verteidigungshaltung geht, schauen wir gemeinsam, woher dieses Muster stammt und wie es durchbrochen werden kann. Die Konfliktlösung ist hier also tiefergehend und nachhaltiger, weil sie an der Wurzel ansetzt.
Welche Rolle spielen die Emotionen bei der Konfliktlösung in Ihrer Praxis?
Emotionen sind der Schlüssel. Viele Menschen versuchen, Konflikte rein rational zu lösen, indem sie Argumente austauschen. Das führt oft zu einer Sackgasse, weil die eigentliche emotionale Ladung unberücksichtigt bleibt. In der psychologischen Beratung ermutige ich meine Klienten, ihre Gefühle – sei es Wut, Trauer, Enttäuschung oder Angst – zunächst wahrzunehmen und zu benennen. Erst wenn diese Emotionen validiert wurden, kann man in einen konstruktiven Dialog treten. Ich arbeite hier mit Techniken aus der Gesprächstherapie und der Emotionsregulation, um einen sicheren Umgang mit starken Gefühlen zu ermöglichen. Konfliktlösung wird so zu einem emotional intelligenten Prozess.
Können Sie ein Beispiel nennen, wie Sie in der psychologischen Beratung einen verfahrenen Konflikt neu ausrichten?
Stellen Sie sich ein Paar vor, das sich ständig über die Hausarbeit streitet. Oberflächlich geht es ums Aufräumen, aber in der Beratung zeigt sich schnell, dass es eigentlich um Anerkennung und das Gefühl geht, gesehen zu werden. Ich frage dann zum Beispiel: „Was bedeutet es für Sie, wenn Ihr Partner die Küche nicht putzt? Welches Gefühl löst das in Ihnen aus?“ Plötzlich wird aus dem Vorwurf „Du machst nie etwas“ eine verletzliche Aussage wie „Ich fühle mich nicht wertgeschätzt“. In diesem Moment verändert sich die Dynamik. Die Konfliktlösung besteht dann nicht mehr im Aushandeln eines Putzplans, sondern darin, neue Wege der Wertschätzung zu finden. Das ist ein sehr typischer Prozess in meiner Praxis.
Welche Methoden aus der Psychotherapie wenden Sie speziell für die Konfliktlösung an?
Ich integriere Elemente aus der kognitiven Verhaltenstherapie, um dysfunktionale Gedankenmuster zu identifizieren, die Konflikte verstärken. Zum Beispiel die Annahme „Der andere will mich absichtlich verletzen“. Gleichzeitig nutze ich tiefenpsychologische Ansätze, um die biografischen Wurzeln von Konfliktmustern zu verstehen. Auch systemische Fragen wie „Wie hat Ihre Herkunftsfamilie mit Konflikten umgegangen?“ sind sehr hilfreich. In der psychologischen Beratung geht es nicht um eine starre Methode, sondern um eine individuelle Kombination, die zur Person und zum Konflikt passt. Achtsamkeitsübungen können ebenfalls helfen, in hitzigen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren.
Was raten Sie Menschen, die einen Konflikt alleine nicht lösen können und überlegen, eine psychologische Beratung aufzusuchen?
Mein wichtigster Rat: Zögern Sie nicht zu lange. Viele Konflikte verhärten sich, wenn man sie ignoriert oder immer wieder die gleichen erfolglosen Gespräche führt. Die psychologische Beratung ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke und dem Willen, eine Situation zu verbessern. Ein erster Schritt kann sein, sich zu fragen: „Leide ich unter diesem Konflikt? Leidet meine Beziehung oder meine Arbeitsfähigkeit darunter?“ Wenn die Antwort Ja lautet, ist es höchste Zeit, professionelle Unterstützung zu suchen. In meiner Praxis biete ich auch Online-Sitzungen an, was die Hürde für viele senkt.
Wie sieht für Sie eine gelungene Konfliktlösung aus – woran erkennen Klienten, dass die Beratung erfolgreich war?
Erfolg zeigt sich nicht unbedingt darin, dass nie wieder gestritten wird. Im Gegenteil: Eine gelungene Konfliktlösung bedeutet, dass Konflikte nicht mehr als Bedrohung, sondern als Chance für Wachstum gesehen werden. Klienten berichten mir oft, dass sie nach der Beratung besser verstehen, was in ihnen vorgeht, und dass sie neue Kommunikationswerkzeuge haben, um schwierige Gespräche zu führen. Sie fühlen sich handlungsfähiger und weniger ausgeliefert. Ein konkretes Zeichen ist, wenn ein Paar nach einem Streit wieder aufeinander zugehen kann, anstatt tagelang zu schweigen. In der psychologischen Beratung geht es letztlich darum, die Beziehung zu sich selbst und zu anderen zu stärken – das ist das Fundament jeder nachhaltigen Konfliktlösung.
Replica Breitling Orologi
Replica Omega Horloges