Kurzfassung

Viele Tinnitus-Betroffene wünschen sich vor allem eines: dass das Ohrgeräusch leiser wird – im Aussen oder zumindest im Inneren.

Was sie oft erleben, ist das Gegenteil: Unruhe, Grübeln, Erschöpfung. Dazu der Eindruck, den Überblick zu verlieren zwischen unzähligen Infos, Tipps und Meinungen. Und die Sorge, dass man selbst daran schuld ist, wenn sich nichts bessert.

Was hilft, ist ein nachvollziehbarer Weg. Ein Modell, das Orientierung gibt. Und das zeigt: Du kannst etwas tun. Schritt für Schritt – mit Klarheit und Struktur.

In diesem Blogartikel stelle ich dir mein LEISE-Modell vor: ein systemisch-psychologischer Rahmen, mit dem du dich und deinen Tinnitus besser verstehen, wirkungsvoll begleiten und wieder mehr bei dir ankommen kannst.

Wenn du dir wünschst, dass es im Kopf wieder ruhiger wird…

… dann bist du nicht allein. Viele Menschen mit Tinnitus haben genau diesen Wunsch: endlich weniger vom Ton beherrscht zu werden. Endlich wieder durchschlafen, entspannen, klare Gedanken fassen. Und dabei nicht ständig das Gefühl haben, gegen den eigenen Körper kämpfen zu müssen.

Gleichzeitig merken viele, dass sie sich eine klare Orientierung wünschen. Nicht noch eine Methode, ein weiterer Trick, ein neues Gerät. Sondern einen verständlichen, fundierten Weg – einen Rahmen, an dem man sich orientieren kann. Einen Prozess, der verstehbar, umsetzbar und praxiserprobt ist.

In diesem Blogpost stelle ich dir genau so einen Prozess vor: das LEISE-Modell – mein systemisch-psychologisches Framework, das dir dabei hilft, deinen Tinnitus besser zu verstehen, wirksame Strategien für deinen Alltag zu entwickeln oder zu finden und dich wieder handlungsfähig zu fühlen.

Was das Modell kann? Es bringt Ordnung in dein Erleben und deinen Umgang mit dem Tinnitus. Es reduziert Überforderung, Chaos, Verwirrung oder Unverständnis. Und es gibt dir einen Weg an die Hand, wie du Schritt für Schritt wieder mehr Ruhe, Selbstwirksamkeit und Lebensfreude zurückgewinnst.

Neugierig? Dann lies weiter – ich zeige dir Schritt für Schritt, wie das geht.

Das LEISE-Modell – dein Wegweiser im Umgang mit Tinnitus

Das LEISE-Modell ist die Grundlage meiner Arbeit mit Tinnitusbetroffenen, sei es zum Beispiel in der Tinnitus-Supportgruppe oder in den Tinnitus-Intensivcoachings.

Es bringt Ordnung in Gedanken, Emotionen, körperliche Reaktionen und Verhalten – und unterstützt dich dabei, deinen eigenen Umgang mit dem Tinnitus aktiv zu gestalten.

Dabei geht es nicht darum, den Ton “wegzumachen”. Sondern darum, dass du klarer siehst, was in dir passiert, was du brauchst, und wie du dich in schwierigen Momenten selbst unterstützen kannst.

Das LEISE-Modell bringt hier Orientierung. Es ist eine Art Landkarte für dich und deinen Tinnitus.

Kein starres Schema, sondern ein flexibler Orientierungsrahmen: „Hier bist du gerade. Das könnte dein nächster Schritt sein.“

LEISE steht dabei nicht nur für die Schritte im Modell – sondern auch für den Zustand, den sich viele Betroffene für ihren Tinnitus wünschen.

Im ersten Schritt schauen wir genau hin:

L – Lernen & Verstehen

Was passiert eigentlich in deinem Körper und deinem Kopf?

Du erfährst, wie Tinnitus entsteht, warum er schwankt und was dein Gehirn, dein autonomes Nervensystem, dein Stresslevel, deine Emotionen, deine Gedanken und dein Lebensstil damit zu tun haben. Wir schauen uns gemeinsam deine ganz persönlichen Muster an, z. B. Was ist mein „Symptom“? Was ist meine Reaktion? Was bringt mich in Anspannung – und was bringt mir Ruhe?

Durch Metaphern, Erklärmodelle und kleine Beobachtungsübungen bekommst du ein klares Bild davon, was in dir vorgeht.

🟡 Warum das so wichtig ist:
Was du verstehst, wirkt weniger bedrohlich.

Das Gehirn sucht nach Erklärungen – und ohne sie entstehen schnell Katastrophenfantasien („Was, wenn das nie mehr weggeht?“, „Was wenn es schlimmer wird?“).

Verstehen bringt innere Ordnung und Orientierung. Und: Du erkennst Zusammenhänge – und damit erste Ansatzpunkte für Veränderung.

In Schritt zwei geht es um die körperliche Ebene.

E – Entspannen & Regulieren

Denn selbst wenn der Kopf sagt „Es ist nichts Schlimmes“, bleibt dein autonomes Nervensystem oft trotzdem in Alarmbereitschaft. Hier lernst du einfache, wirksame Methoden, um deinen Körper und dein autonomes Nervensystem aktiv bei der Entspannung zu unterstützen.

Dabei geht es nicht um „perfekte Entspannung“, sondern um kleine, wirksame Schritte:

Atemübungen, kurze Entspannungssequenzen, Mikro-Pausen, Abendroutinen, erste Anpassungen im Alltag, vielleicht auch so einfache Dinge wie: regelmässig trinken, weniger Reize, bewusst durchatmen.

Denn auch Dinge wie Schlafhygiene, sanfte Bewegung oder Reizreduktion können helfen, dein System zu entlasten.

🟡 Warum das wirkt:
Tinnitus wirkt oft lauter, wenn dein Körper unter Strom steht.

Entspannung ist daher kein Bonus – sondern eine zentrale Grundlage dafür, dass dein System überhaupt zur Ruhe kommen kann.

Und: dazu braucht es oft weniger, als du denkst – dafür in einer gewissen Regelmässigkeit.

Im nächsten Schritt wird es emotional – im besten Sinne.

I – Integrieren & Akzeptieren

Tinnitus bringt nicht nur Geräusche mit sich, sondern auch Gefühle und zwischendurch „schwere Gedanken“: Wut, Angst, Frust, Trauer, „Ich darf nicht schwach sein“, „Ich muss funktionieren und für alle da sein“. Hier ist Raum für all das. Und du lernst Methoden aus verschiedenen Psychotherapierichtungen, um dich selbst zugewandter und wohlwollender zu unterstützen.

In diesem Schritt geht es darum, deine emotionalen Reaktionen zu verstehen, anzunehmen – und dabei unterstützend mit dir selbst umzugehen.

🟡 Warum das wichtig ist:
Kampf kostet Kraft. Und: Widerstand erzeugt Anspannung – und Anspannung verstärkt den Ton.

Je mehr du gegen den Tinnitus oder gegen dich selbst ankämpfst, desto mehr Energie verlierst du. Akzeptanz heisst nicht: „Ich finde das gut.“ Sondern: „Ich erkenne an, was ist und finde neue Wege.“

Im vierten Schritt wird es praktisch: Du lernst, deine Aufmerksamkeit bewusst zu lenken.

S – Steuern & Fokussieren

Denn Aufmerksamkeit wirkt wie ein Scheinwerfer – je mehr Fokus auf dem Ton liegt, desto dominanter erscheint er. Tinnitus zieht oft automatisch Aufmerksamkeit auf sich – besonders in Stille oder bei Stress. Hier lernst du, den Fokus wieder selbst zu steuern – weg vom Tinnitus, hin zu dem, was dir wichtig ist.

Wir schauen auf typische Denkfallen (vielleicht kommt dir das bekannt vor: „Was, wenn es nie besser wird?“), Grübelspiralen oder Vermeidungsverhalten und entwickeln konkrete Strategien, die dir im Alltag helfen: z. B. beim Einschlafen, in der Stille oder in Stressmomenten.

🟡 Warum das wichtig ist:
Aufmerksamkeit wirkt wie ein Verstärker.

Wenn du bewusst steuerst, wohin du schaust – innerlich wie äusserlich –, wird der Tinnitus weniger dominierend und du kommst aus automatischen Reaktionen wieder in bewusstes Handeln. So kannst du mehr Kontrolle über dein Erleben zurückgewinnen – und neue Handlungen im Alltag etablieren. Dadurch schaffst du eine gute Ausgangslage für den nächsten Schritt.

Der letzte Schritt richtet den Blick zurück aufs Leben: Was tut dir gut? Wo entsteht Freude, Verbundenheit, Sinn?

E – Erleben & aktiv bleiben

In diesem Schritt geht es also um genau das, was im Tinnitus-Alltag oft verloren geht: Freude, Genuss, Sinn. Du entdeckst wieder, was dir guttut. Planst kleine Genussmomente. Und entwickelst eine Vision davon, wie du leben möchtest – auch mit Tinnitus.

🟡 Warum das so wichtig ist:
Am Ende geht es um mehr als „Symptomkontrolle“. Es geht ums Leben.

Du bist nicht nur jemand „mit Tinnitus“. Du bist ein ganzer Mensch – mit Interessen, Beziehungen, Zielen. Dieses Erleben stärkt deine Resilienz und verankert das Gelernte im Alltag. So stärkst du deine Identität jenseits des Symptoms. Das Leben wird wieder breiter als das Symptom.

Du fragst dich nun, wie das konkret aussieht? Lass uns das mit einem Beispiel aus der Praxis mal kurz durchspielen.

Ein Blick in die Praxis – Tims Beispiel

Tim als Person ist erfunden – seine Ausgangslage, sein Wunsch nach Veränderung und das, was im Coaching möglich wurde, beruhen auf einer Kombination realer Fälle.

Tim, Mitte 40, hat einen anspruchsvollen Job, Familie – und einen Tinnitus, der in letzter Zeit lauter geworden ist. Im Gespräch wird schnell klar: Tim ist erschöpft, angespannt, unter Druck.

Sein Wunsch: „Ich will wissen, was ich ändern kann, damit es wieder besser wird.“

Im Intensivcoaching erarbeiten wir mit dem LEISE-Modell als Orientierung:

  • Lernen & Verstehen: Tim erkennt, wie seine Anspannung, Kontrollrituale und innerer Druck mit dem Tinnitus zusammenhängen.
  • Entspannen & Regulieren: Ausgehend von Tims bisherigen Erfahrungen und Vorlieben suchen wir nach Entspannungs- und Regulationsmöglichkeiten, die zu Tim und seinem Alltag passen. Er entscheidet sich für eine kurze Atemübung und kurze fünf Minuten Pause(n) ohne Reize.
  • Integrieren & Akzeptieren: Tim erkennt dass nicht nur der Ton ihn stresst sondern vor allem sein innerer Anspruch, immer alles im Griff haben und allen Erwartungen gerecht werden zu müssen. Allein diese Erkenntnis entlastet ihn und hilft ihm, ein alternatives Bild von sich zu entwerfen.
  • Steuern & Fokussieren: Aus den Erkenntnissen aus dem vorangehenden Schritt entwickeln wir Alternativen zu Denkmustern, die zur Erschöpfung beitragen und Strategien für belastende Situationen.
  • Erleben & aktiv bleiben: Tim entscheidet sich bewusst dafür, wieder regelmässige, genussvolle Aktivitäten für sich alleine einzuplanen – etwas, das er sich bisher „wegen des Tinnitus und der Familie“ nicht erlaubt hat.

Tim sagt zum Abschluss: „Ich kann es nicht von heute auf morgen abschalten – aber der Druck ist weg. Ich weiss nun, wo ansetzen und freue mich sogar richtig auf meine Auszeiten.“

Ergebnis: Der Ton war noch da – aber er war nicht mehr der Mittelpunkt. Tim verlässt das Coaching nicht mit „dem einen Wundermittel“. Aber mit mehr Verständnis für seine Situation, konkreten Tools und dem Gefühl: „Ich kann etwas tun.“ Tim erlebt sich wieder als handlungsfähig, selbstbestimmt und innerlich ruhiger.

Was lässt sich aus diesem Beispiel mitnehmen?

Was sich verändert – mit und ohne LEISE-Modell

Ohne Orientierung, wie sie das LEISE-Modell bieten kann, verlieren sich Betroffene oft in Einzelmassnahmen. Sie probieren viel – Apps, Atemtechniken, Nahrungsergänzung, Ablenkung – doch die Wirkung bleibt oft zufällig oder nur kurz spürbar. Das Gefühl, ständig reagieren oder kontrollieren zu müssen, bleibt durch das Ausprobieren und auf Wirksamkeit überprüfen, bestehen. Der Tinnitus steht dabei weiterhin im Zentrum und bindet viel Energie und Zeit.

Mit dem LEISE-Modell entsteht dagegen ein roter Faden. Du arbeitest nicht nur am Symptom, sondern an den Zusammenhängen: an Stress, Gewohnheiten, innerem Druck. Kleine Fortschritte werden sichtbar. Du fühlst dich klarer, ruhiger, handlungsfähiger – nicht nur im Umgang mit dem Tinnitus, sondern in deinem ganzen Leben. Du wirst zur Expertin oder zum Experten für dich, dein Leben und deinen Tinnitus. Statt dich im Kreis zu drehen, kommst du Schritt für Schritt voran und das in relativ kurzer Zeit und mit relativ kleinen Veränderungen.

Vielleicht denkst du jetzt: „Ich weiss nicht, ob ich das schaffe.“

Ein nachvollziehbarer Gedanke – gerade, wenn du erschöpft bist oder das Gefühl hast, „schon so vieles versucht“ zu haben.

Deshalb ist mir wichtig:
Das LEISE-Modell ist kein „Du musst“ und kein zusätzlicher Druck.

Es ist ein Kompass, den du in deinem Tempo nutzen kannst.

Kleine Schritte. Kurze Impulse. Flexible Wiederholung. Und genau so aufgebaut und an deine Situation anpassbar, dass es auch mit wenig Energie möglich ist, etwas zu verändern.

Oft reichen kleine, wiederholte Schritte, um erste Entlastung zu spüren. Du brauchst nicht mehr Kraft – aber eine Richtung, so dass du deine Kraft da einsetzen kannst, wo sie in die gewünschte Richtung wirken kann.

Daniela Blaser

Möchtest du diesen Weg für dich nutzen?

Dann melde dich für ein unverbindliches Kennenlerngespräch, oder starte direkt mit einem Tinnitus-Intensivcoaching, in dem wir gemeinsam dein persönliches LEISE entwickeln.

Denn du bist mehr als dein Tinnitus.

Und es gibt einen Weg, wie du wieder Ruhe, Freude und Selbstwirksamkeit in deinem Alltag spüren kannst.

Ich begleite dich gerne dabei.